Als ein schwer vernachlässigter Hund in einen Hundesalon gebracht wurde, konnten die Spezialisten zunächst nicht einmal Kopf und Schwanz unterscheiden. Der ganze Körper des Tieres war unter riesigen Büscheln schmutzigen, verfilzten Fells verborgen. Es hatte sich zu dicken, verfilzten Dreadlocks entwickelt, die jahrelang weder gebürstet noch geschnitten worden waren. Mehrere Salons hatten ihn zuvor abgelehnt. Die Hundefriseure befürchteten, der Hund würde aggressiv sein und sich von niemandem anfassen lassen. Doch die Spezialisten bemerkten seine Augen, die unter dem dichten Fell kaum sichtbar waren, und beschlossen, es zu wagen. Als die Schermaschine sich seiner Schnauze näherte, bereiteten sich alle auf das Schlimmste vor. Doch dann geschah etwas völlig Unerwartetes. Der Hund knurrte nicht, versuchte nicht zu beißen und zuckte nicht einmal zusammen. Er erstarrte und ließ die Hundefriseure ihre Arbeit machen, als ob er endlich wüsste, dass er in Sicherheit war.
Doch die Prozedur war äußerst schwierig. Das verfilzte Fell hatte seine Haut so stark gespannt, dass ein normaler Haarschnitt zu ernsthaften Verletzungen hätte führen können. Unter jedem dichten Fellknäuel verbarg sich empfindliche Haut, die buchstäblich Millimeter für Millimeter befreit werden musste.
Besonders schwierig war es, den Schwanz zu erreichen. Aufgrund der enormen Menge an verfilztem Fell konnten die Spezialisten seine genaue Position nicht sofort erkennen. Daher schnitten sie Schicht für Schicht ab und achteten dabei sorgfältig darauf, die Haut nicht zu verletzen.
Als die schweren Fellknäuel zu Boden fielen, schien der Hund aufzuwachen. Er begann sich zu bewegen und atmete leichter. Doch der kritischste Bereich blieb vorne – der Kopf.
Der Puli hat eine ungewöhnliche Eigenschaft: Sein Fell kann von Natur aus zu langen Strähnen verfilzen. Viele Mythen ranken sich um diese Hunderasse, darunter die Geschichte, dass das Stutzen des Fells um die Augen dem Tier das Augenlicht rauben könne. In Wirklichkeit kann übermäßig langes und schmutziges Fell, das die Augen bedeckt, ganz andere Probleme verursachen.
Die Hundefriseure begannen vorsichtig, die Schnauze zu befreien. Sie arbeiteten so langsam wie möglich und trennten die dichten Strähnen einzeln. Und endlich war es soweit – die schwere, wollige Maske fiel zu Boden. Was darunter zum Vorschein kam, zauberte allen ein Lächeln ins Gesicht.
Nach stundenlanger Arbeit war der Hund gründlich gewaschen, sein Fell gereinigt und erholt. Die Spezialisten sahen kein furchteinflößendes, pelziges Wesen mehr. Ein wunderschöner, freundlicher und überglücklicher Hund lag auf dem Tisch.
Er wedelte unaufhörlich mit dem Schwanz, als wolle er sich bei den Menschen bedanken, die ihm ein neues Leben geschenkt hatten.
Was viele für aggressiv und hoffnungslos gehalten hatten, entpuppte sich als ein unglaublich anhängliches Tier. Nun musste er keine Kilos schmutzigen Fells mehr mit sich herumschleppen. Er konnte sich wieder frei bewegen, die Welt um sich herum sehen und sich wie ein richtiger Hund fühlen.