Die Gewässer des Po in Italien sind die Heimat wahrer Giganten der Süßwasserwelt – des Europäischen Welses (Silurus glanis). Kürzlich fing ein Angler ein Exemplar, das einen neuen Längenweltrekord aufstellen könnte.
Der italienische Fischer Alessandro Biancardi fing in einem flachen Abschnitt des Po in der Lombardei einen massiven Wels von 2,85 Metern Länge. Dieser übertrifft den aktuellen Weltrekord um 4 Zentimeter.
Laut Biancardi ist ihm in über zwanzig Jahren Welsangeln noch nie ein so großer Fisch begegnet. Als sein Fang die Wasseroberfläche durchbrach, erkannte er, dass er es mit einem wahren Flussriesen zu tun hatte. Nach dem Fang wurde der Fisch sorgfältig vermessen und wieder freigelassen. Alle notwendigen Unterlagen und Daten wurden der International Game Fish Association (IGFA) übermittelt, die die Weltrekorde registriert.
Der Europäische Wels gilt als größter Süßwasserfisch Europas unter den Arten, die dauerhaft in Flüssen und Seen vorkommen. Ursprünglich in Mittel- und Osteuropa weit verbreitet, wurde er in den letzten Jahrzehnten aktiv in andere Regionen des Kontinents eingeführt. Heute gibt es große Populationen in Italien, Frankreich und Spanien.

Der Po ist seit Langem für seine rekordverdächtigen Welse bekannt. Auch der bisherige Rekord wurde hier aufgestellt: Im April wurde ein 2,81 Meter langer Wels gefangen. Experten stellen fest, dass die Welse in ihren neuen Lebensräumen günstige Bedingungen für schnelles Wachstum vorfinden. Laut Per Larsson, Professor an der Universität Linnaeus und Experte für Raubfische, ermöglichen das warme Klima, das reichhaltige Nahrungsangebot und die geeignete Umgebung diesen Tieren, deutlich schneller beeindruckende Größen zu erreichen als in nördlichen Ländern.
Untersuchungen in Schweden haben gezeigt, dass ein etwa 1,95 Meter langer Wels etwa 70 Jahre alt sein kann. Das in Italien gefangene Exemplar ist jedoch wahrscheinlich deutlich jünger – der Wissenschaftler schätzt sein Alter auf etwa 20–30 Jahre. Es würde etwa ein Jahrhundert dauern, bis die Fische in den kalten schwedischen Gewässern eine ähnliche Größe erreichen.
Trotz günstiger Wachstumsbedingungen für Welse steht das Ökosystem des Po vor großen Herausforderungen.

Bereits zum zweiten Mal in Folge ist der Wasserstand aufgrund geringer Schneefälle in den Alpen, die den Fluss normalerweise im Sommer speisen, kritisch niedrig. Die Dürre hat bereits mehrere Folgen nach sich gezogen, darunter die Entdeckung einer Blindgängerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg am Ufer des Po.
Wissenschaftler können die Auswirkungen der anhaltenden Dürre auf den europäischen Welsbestand noch nicht genau abschätzen. Diese invasive Art hat sich jedoch in ihrem neuen Lebensraum als sehr erfolgreich erwiesen und den einheimischen Adriatischen Stör, dessen Bestand stark zurückgegangen ist, praktisch verdrängt.