Wissenschaftler haben in fast zehn Kilometern Tiefe ein mysteriöses Lebewesen entdeckt

Es sieht so ungewöhnlich aus, dass die Forscher noch immer nicht sicher sind, zu welcher Tiergruppe es gehört. Der rätselhafte Organismus wurde während einer groß angelegten Expedition in die Tiefseegräben vor der Küste Japans gefilmt.

Die Wissenschaftler erforschten drei Tiefseegräben und ließen ihre Ausrüstung bis in Tiefen von 9.775 Metern hinab. Während der Expedition zeichneten Kameras über 460 Stunden Videomaterial auf. Die Aufnahmen enthüllten zahlreiche ungewöhnliche Lebewesen, doch eines stach besonders hervor.

Ein Lebewesen, das Wissenschaftler vor ein Rätsel stellte

In Tiefen zwischen 8.022 und 9.131 Metern entdeckten die Forscher ein kleines, blasses Tier mit ungewöhnlichen, lappenförmigen Anhängseln. Es tauchte nur zweimal vor der Kamera auf: einmal im Japan-Graben und einmal im Izu-Ogasawara-Graben. Zunächst nahmen die Experten an, es handele sich um einen Hinterkiemenschnecken. Die anschließende Auswertung des Videomaterials ergab jedoch, dass diese Erklärung die Merkmale des Organismus nicht erklären konnte. Infolgedessen standen die Wissenschaftler vor einem ungewöhnlichen Problem: Das Lebewesen konnte noch nicht einmal einem bekannten Stamm eindeutig zugeordnet werden. Anders ausgedrückt: Sein genauer Platz in der modernen biologischen Klassifikation bleibt ein Rätsel.

Der Meeresboden wimmelt von Leben.

Der ungewöhnliche Organismus war bei Weitem nicht die einzige Überraschung der Expedition. Die Forscher dokumentierten Vertreter von 108 verschiedenen Tiergruppen.

Darunter befanden sich räuberische Schwämme, Riesenasseln und andere Lebewesen, die an das Leben unter enormem Druck und in völliger Dunkelheit angepasst sind.

Die Riesenflohkrebse erregten besondere Aufmerksamkeit. Einige von ihnen waren größer als Fische, die in derselben Tiefe leben. Die Kameras fingen außerdem einen Oktopus mehrere Kilometer unter der Meeresoberfläche ein. Ein riesiges Gebiet bleibt unerforscht.

Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift „Biodiversity Data Journal“ veröffentlicht. Die Wissenschaftler betonen, dass die tiefsten Meeresgräben zu den am wenigsten erforschten Orten unseres Planeten gehören.

Jeder neue Tauchgang zeigt, wie vielfältig das Leben an Orten sein kann, an denen Menschen ohne Spezialausrüstung nicht existieren können. Extremer Druck, nahezu kein Licht und extreme Bedingungen bedeuten nicht zwangsläufig die Abwesenheit von Leben. Und das mysteriöse blasse Wesen bleibt ein wahres biologisches Rätsel. Vielleicht helfen uns weitere Untersuchungen solcher Funde dabei, zu verstehen, auf welche Art von Organismus die Forscher stießen – oder bestätigen, dass es sich tatsächlich um einen Vertreter einer extrem seltenen und bisher unbekannten Gruppe handelt.