Ich hätte nie gedacht, dass ein einziger Anruf mein Leben so verändern könnte, bis Marla vom Tierheim sagte: „Jason, hier ist jemand, den du unbedingt sehen musst.“
Als ich ankam, erstarrte ich. In der Ecke des Zimmers saß Rocky – mein Hund, der zwei Jahre lang vermisst worden war.
Ich kniete mich hin und rief seinen Namen, in der Erwartung, wie sonst freudig gejubelt zu werden. Stattdessen begann Rocky, sich panisch zu bewegen. Er bellte, lief im Kreis und flitzte von Wand zu Wand, als würde er etwas Unsichtbares jagen.
Marla erzählte mir, dass er erschöpft und desorientiert auf der Straße gefunden worden war.
In den folgenden Tagen beruhigte sich Rocky nicht. Er patrouillierte im Garten, reagierte auf das leiseste Geräusch und blieb während der Spaziergänge immer wieder stehen, um in Gassen oder dunkle Ecken zu spähen, als würde er darauf warten, dass etwas auftaucht.
Am nächsten Abend zog Rocky mich plötzlich zu einer Häuserreihe, vor deren Hauseingängen unbeaufsichtigte Einkaufstüten standen. Er bellte die Bewohner unaufhörlich an, als ob sie Verdacht schöpften.
Später erzählte mir mein Nachbar Paul, dass er Rocky noch lange in der Gegend gesehen hatte, nachdem ich ihn schon für verschwunden gehalten hatte – oft in der Nähe derselben Häuser. Auch andere Nachbarn berichteten, Rocky gelegentlich mit einem stillen, unbekannten Mann gesehen zu haben.
Eines Nachts wurde Rocky nervös und bellte in Richtung Pauls Garten. Er starrte immer wieder in die Schatten am Zaun.
Noch vor Tagesanbruch führte uns Rocky zu einer alten Scheune am Rande des Grundstücks und drückte sich gegen die Tür. Als wir sie mit Taschenlampen öffneten, stockte uns der Atem.
Drinnen stapelten sich Diebesgut aus der ganzen Nachbarschaft.
Der Nachbar, blass und erschüttert, gestand die Wahrheit. Der stille Mann, den die Leute gesehen hatten, war Rockys ehemaliger „Besitzer“. Er hatte Rocky benutzt, um die Leute abzulenken, während er in ihren Gärten und auf ihren Veranden stahl. Rocky, treu und gehorsam, war unwissentlich Teil davon.
Alles wurde klar. Seine Unruhe. Seine Streifzüge. Sein Beharren auf bestimmten Orten.
Die Polizei wurde gerufen. Der Mann gestand. Und plötzlich war Rockys seltsames Verhalten nicht mehr seltsam.
Danach versammelten sich alle Nachbarn um ihn, streichelten ihn, dankten ihm, als wäre er ein Held. Und in gewisser Weise war er das auch.
Ich kniete mich neben ihn und kraulte ihn hinter den Ohren, so wie er es liebte.
„Willkommen zu Hause, mein Freund“, flüsterte ich.
Diesmal wedelte sein Schwanz langsam und ruhig. Keine Anspannung. Kein Suchen.