Als Jonas die staubige Straße entlangfuhr, fiel sein Blick plötzlich auf eine kleine graue Gestalt mitten auf der Fahrbahn. Er bremste ab und sah genauer hin – es war ein Nashornbaby. Klein, verwirrt und viel zu zerbrechlich für diesen rauen Ort.
Sein Herz sank: Das Baby hatte offensichtlich seine Mutter verloren oder sich verirrt. Vorsichtig hielt Jonas an und stieg aus, um das Tier nicht zu erschrecken. Doch je näher er kam, desto mehr spürte er, dass etwas nicht stimmte. Das Nashorn rannte nicht weg, versuchte sich nicht zu verstecken, sondern stand einfach nur da und zitterte leicht, als wagte es sich nicht zu bewegen.
„Hey, Kleines“, rief er leise, die Hände wie eine Trompete gefaltet. „Komm, geh aus dem Weg.“
Das Tier zuckte nur mit den Ohren, rührte sich aber nicht. Es schwankte, als hätte es Angst oder Schmerzen. Ihr Verhalten wirkte seltsam – es war nicht einfach nur ein verirrtes Junges, sondern jemand, der zu wissen schien: Es war gefährlich, sich zu bewegen.
Jonas erkannte, dass er allein nicht weiterkam. Er wollte gerade die Gegend nach Spuren seiner Mutter absuchen, als plötzlich das Telefon klingelte.
„Karen“, atmete er erleichtert auf. Sie war eine erfahrene Rangerin und hatte ihm schon öfter in schwierigen Situationen geholfen.
Nachdem sie die Beschreibung gehört hatte, wurde sie sofort ernst:
„Komm nicht zu nah. Hier stimmt etwas nicht. Ich fahre schon mit dem Team los.“
Kurz darauf tauchten mehrere Jeeps auf der Straße auf. Die Ranger umstellten das Junge vorsichtig und ließen genügend Abstand, um es nicht zu erschrecken. Doch es blieb stehen und schien sich entschieden zu haben: Es würde nicht weitergehen.
Karen beugte sich zu Jonas:
„Manchmal benutzen Wilderer Jungtiere als Köder.“
Der Gedanke ließ ihn erschaudern.
Sie begannen, das Tier zu untersuchen. Es waren keine sichtbaren Verletzungen zu erkennen, doch plötzlich deutete Karen auf seltsame Spuren auf der Haut.
„Das ist kein Zufall“, sagte sie leise. Jonas schlug vor, die Gegend zuerst zu untersuchen. Im Gebüsch fand er Spuren und etwas weiter eine halb vergrabene Metallfalle. Ihm sank das Herz: Die Wunden am Körper des Nashorns passten perfekt zur Form der Schlinge. Als er zurückkam und alles erzählte, presste Karen nur die Zähne zusammen:
„Also, die Wilderer sind irgendwo in der Nähe. Zuerst einmal – wir bringen ihn hier weg.“ Das Team wählte einen Umweg abseits der Hauptstraßen. Das kleine Nashorn ging unterwürfig, als ob es spürte, dass diese Leute ihm nichts Böses wollten. Als es endlich sicher im Transporter verstaut war, merkte Jonas, dass er die ganze Zeit den Atem angehalten hatte.
„Wir fahren direkt ins Reservat. Kein Halt“, sagte Karen bestimmt. Dort würde er behandelt, geschützt und die Chance finden, sicher aufzuwachsen. Jeder Kilometer brachte sie der Gefahr näher. Die Stille im Auto war angespannt, doch die Hoffnung lebte bereits. Das Baby bewegte sich ruhig, und alle wussten, dass sie heute tatsächlich ein Leben gerettet hatten.